Nachlese Teil 2 (rm)

Sonntagmorgen, Herrgottsfrüh, es ist kühl geworden in Ungarn und es tröpfelt von Zeit zu Zeit. In der Nacht ist ein kräftiges Gewitter niedergegangen. Aufbruch kurz nach sechs.

Auf dem Hinweg bekomme ich von Jutka die Information, dass die Maggies auf dem Feld 2 anfangen. Das schöne an der Veranstaltung in Dunakeszi ist, dass man sich auf dem sehr weitläufigen Gelände frei bewegen kann und das Auto, mehr oder weniger, hinstellen kann wo man möchte. Ich suche mir einen Platz in der Nähe des Feld 2. Schwierig in Dunakeszi ist die Kommunikation. Kein Programm, keine Aushänge, immer muss man irgendeinen Offiziellen fragen und um Auskunft bitten. Offizielle die eigentlich eine andere Aufgabe haben und nicht als Auskunftei herumlaufen. Aber sie sind immer hilfsbereit, nie ist jemand ungeduldig. Ich erfahre, dass Szende als letzte Maggie-Dame startet und da es ein Feld mit ungerader Starterzahl ist, läuft sie alleine. Das ist sehr schade, aber eine muss es ja treffen.

Wenn man einem Coursing zuschauen möchte, dann sollte man keinen eigenen Starter haben. Man bekommt von den Anderen nur ausschnittsweise was mit. Entweder bereitet man vor, läuft ein oder läuft aus. So ist es schwierig einen Überblick zum Leistungsschnitt der startenden Magyar Agarak zu bekommen. Szende startet gewohnt schnell und läuft die ersten Kurven dicht auf den Hasen auf, gegen Ende des Kurses nimmt sie sich ein wenig zurück. Ob sie ein wenig schont oder ob sie einfach mehr Abstand bei den Richtungswechseln halten möchte weiß nur sie allein. Der Hund ist zurück und er ist unverletzt. Wie hoch letzteres zu bewerten ist, wird der zweite Lauf eindrücklich zeigen.

Danke für die schönen Bilder Philipp Gschwendner!

Gegen Mittag kommt die schöne Überraschung, Szende liegt nach dem ersten Lauf auf Platz 3.

Wir warten. Wir warten auf den zweiten Lauf. Warten ist überhaupt die zentrale Beschäftigung des ganzen Tages. Zu der großen Starterzahl kommt kommt die Tatsache, dass Whippet Hündinnen und Rüden auf getrennten Feldern laufen. Um den Whippet-Besitzern mit beiden Geschlechter am Start die Möglichkeit zu geben, alle ihre Hunde zu starten, warten die Whippetjungs bis die Whippetmädchen auf dem anderen Feld fertig sind.

Es ist fortgeschrittener Nachmittag, bis es für uns auf dem Feld 1 weitergeht. Während Feld 2 ein weiter, offener Kurs ohne größere Schwierigkeiten ist, gestaltet sich die Herausforderung am Nachmittag wesentlich selektiver. Eng gesteckt, wellig und mit Sichthindernissen. Ein echter EM-Parcours. Eine  der Rollen steht ein wenig ungünstig, denn in ihrer Verlängerung steht ein Gebüsch in der Nähe. Auch die Platzierung der Richter könnte besser sein. Sie sitzen ein wenig tief und können so das Feld nur eingeschränkt überblicken. Das Hauptproblem an diesem Feld ist der Hasenzieher. Während die Maggies am Vormittag von Miklós (Szanka nicht Levente) ganz ausgezeichnet gezogen wurde, wird das Coursing auf dem anspruchsvollen Nachmittagsfeld zu einer nicht ungefährlichen Sache. Wiederholt erreichen ein oder gar beide Hunde vorzeitig den Hasen, der dann wieder unter ihnen hervor gezogen wird.

Und genau dieses Schicksal ereilt Szende. Bereits nach der zweiten Rolle, beide Hunde liegen fast noch auf gleicher Höhe, verpasst der Hasenzieher seinen Einsatz. Szende erreicht den Hasen, der wickelt sich um ihren Hinterlauf und der Hasenzug reißt Szende von den Füßen. Ausgerechnet in der Kurve wo das Gebüsch steht. Szende überschlägt sich und stürzt in den Busch. Das Publikum stöhnt auf und  mein Herz bleibt stehen. Mir ist klar, den Hund trägst du jetzt vom Feld. Während ich meinem Schock und Ärger Luft mache, sehe ich aus dem Augenwinkel, dass mein tapferes Mädel, unter Mithilfe von mindestens einem windhundschnellen Schutzengel, unverletzt geblieben ist.

Mehr noch, sie muss während ihres Loopings den Hasen fest im Blick gehalten haben. Szende springt auf, nimmt die Verfolgung wieder auf, erreicht und überholt den anderen Hund und setzt den Lauf mit hoher Geschwindigkeit und großer Aufmerksamkeit fort.

Auch hier nochmal Danke an Philipp Gschwendner;

Sie hält immer Blickkontakt wendet den Kopf nach dem Hasen und geht den eckigen Kurs klug mit.  Diesmal  zieht sie ihr hohes Tempo bis zum Schluss durch und erreicht als Erste den Hasen.  Dort angekommen ist mir das alles aber egal. Zuerst schaue ich, ob der Hund verletzt ist und GsD außer ein paar leichten Abschürfungen am Hinterlauf vom Hasen, geht es Szende gut. Erstaunlicherweise humpelt ihre Coursingpartnerin, Magyar Alom Angyal, die während des Laufes keine Verletzungszeichen zeigte und nicht in den Sturz verwickelt war, der tierärztliche Befund lautet später, Dehnung des Schulterbandes. Von hier aus: Gute Besserung.

meine tapfere Szende, nach dem 2. Lauf

Ich laufe mein Mädchen aus und kehre zum Ring zurück. Dort wird mir von mehreren Ungarn zu meiner Hündin und ihrem beherzten Lauf gratuliert. Und mir wird da erst die sportliche Komponente ihres Laufes bewusst. Mir wird ein Spitzenergebnis prophezeit  (Es soll dann doch ganz anders kommen. Sie bekommt für diesen couragierten Lauf die drittschlechteste Laufpunktzahl und fällt auf den 7. Platz zurück ).

Nach den Maggies sollen die Whippetrüden laufen. Ich will doch sehen wie es Anton ergeht. Leider ist man im anderen Feld noch nicht so weit und so ist wiedermal warten angezeigt.  Nach einer guten Stunde geht es weiter. Die Whippets stürzen sich mit vollem Eifer in den zweiten Lauf. Leider passiert es auch hier immer wieder, dass der Hund den Hasen vorzeitig erreicht, ja sogar schon über ihm steht und er hinein beißt, bevor der Hase weiter gezogen wird. Anton legt einen tollen Lauf hin und behauptet im Endergebnis den 9. Rang (über 50 Starter).

Dann wird es dunkel. Und wir warten auf die Siegerehrung.  Wir sind zusammen mit einigen anderen Teilnehmern gleich beim Feld 1 geblieben, denn direkt daneben soll das Abschlusszeremoniell  stattfinden. Dort treffen nach und nach Teilnehmer mit Fahnen und natürlich mit ihren Hunden, am pittoresk beleuchteten Festplatz  ein. Irgendwann scheint es am Campingplatz die Parole“ auf zur Siegerehrung“ gegeben zu haben, denn plötzlich erscheint am Horizont eine ganze Kolonne von Menschen und Hunden, illuminiert von allerlei Lampen und Leuchten.  Am lautesten sind die Finnen, sie feiern schon wieder Party. Die ungarischen Helfer kommen mit den Quads dazu und fahren wilde Kreise. Die Stimmung ist laut und ausgelassen. Mir ist es ein wenig zu laut und eng, deshalb lasse ich meine Hunde im Auto und bleibe in der zweiten Reihe stehen. Die Siegerehrung ist dann sehr stimmungsvoll. Fahne werden geschwenkt. Die Nationalhymnen der Sieger werden gespielt. Die Finnen singen wieder am lautesten, die Italiener am schönsten. Kein Wunder, die haben auch eine schöne Mitsinghymne. Die Ungarn bekommen ihre Siegerhymne bei ihrer Heim-EM von den beiden Szanka Söhnen auf der Trompete gespielt. Ein Gänsehautmoment. Viele Menschen jubeln und so manche Träne wird vergossen.

Spät in der Nacht, vor dem Ferienhaus sitze ich mit meinen Hunde und einem Bier und ich merke, es war ein anstrengender Tag. Und ein Tag Ungarn soll noch folgen.

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Ein Kommentar zu “Nachlese Teil 2 (rm)

  1. Joerg Lemann sagt:

    Ich kann sehr gut nachvollziehen, dass Du in der Situation, als Szende zu Sturz kam nicht ruhig zuschauen konntest … ich hätte das auch nicht gekonnt und denke, wohl anders, als von anderen gesehen, dass es dann legitim sein muss, sein Entsetzen kund zu tun.

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