Zwischenspiel (rm)

Der Magyaragármensch hat Glück. Aus dem Universum der Möglichkeiten ist er bei dem besten Lebensbegleiter angekommen, den man sich nur wünschen kann. Er beruhigt die vom Alltag wundgescheuerten Nerven. Der Schlaf wird nie friedlicher sein, als an der Seite eines Windhundes. Seine Freude lässt uns lächeln. Seine Energie gibt uns ein Gefühl der Freiheit. Eine Freiheit die auch in unserem Leben stecken könnte. Der Hund lehrt uns den den Begriff Loyalität täglich aufs Neue. Ihn interessiert nicht unser Kontoauszug, die Marke unseres Autos, der soziale Stand unserer menschlichen Freunde. Von ihm bekommen wir jeden Tag eine neue Chance.

Aber das Glück ist ein scheues Reh. Und der Windhundmensch braucht Glück. Eigentlich ist unser Land zu eng für solch ein freies Tier. Denn lässt man seinen Magyar Agár von der Leine, dann bemerkt man sie wieder, die Flut der Besitzansprüche, Gebote und Verbote hinter jeder Hecke, Drähte an jeder Wiese.

Wenn wir die Windhundsportstätten aufsuchen, dann hoffen wir immer auf das Glück des Tüchtigen. Denn der reibungslose Ablauf ist auch durch die fleißigsten Hände nicht zu garantierten. Und da Windhundsport eine Outdoor-Veranstaltung ist und es trotz gegenteiliger Behauptungen auch bei guter Kleidung schlechtes Wetter gibt, brauchen wir das berühmte Wetterglück.

In Oberhausen hatten wir in den letzten Jahren dieses Wetterglück. Schöne Frühlingsgefühle und goldene Oktobertage waren unsere Begleiter. Vielleicht lag es an mangelnder himmlicher Unterstützung. Immerhin hat der WRV Kurpfalz dieses Jahr auf die Hubertusmesse verzichtet. Petrus hielt heuer den großen Regen für angemessen und so wurde das Herbstrennen zu einem Test für Mensch, Tier und Technik.

Dabei war am Abend zuvor noch eitel Sonnenschein, buntes Laub gepaart mit T-Shirtwetter. Aber der Morgen brachte den Racern das Gefühl einer beginnenden Sintflut. Jetzt ist eine Grasbahn durchaus ein Freund des Wassers. Das satte Grün kommt ja schließlich nicht von selbst. Aber heftiger Dauerregen und ein Feld von über 100 Hunden sind ein Test fürs Geläuf. Ein Test, den die Bahn in Oberhausen bestanden hat. Denn unter Bedingungen bei denen Sandbahnen schon lange die Segel streichen müssen, konnten ein Rennen stattfinden. Nur die zweiten Vorläufe fielen den Fluten zum Opfer. Allerdings war die Grasnarbe am Ende der Finalläufe am Limit oder schon ein Stück darüber hinaus. Und hier zeigt sich vielleicht der wahre Nachteil einer Grasbahn. Während die Sandbahn nach so einem Wochenende nur abgezogen werden muss, ist für das Kurpfälzer Racinggreen eine längere Regeneration angezeigt. Hier wird die Geduld der Windhundfreunde bis zum nächsten Frühling auf die Probe gestellt.

Solche Gegebenheiten erproben aber auch vermeintliche Gewissheiten. Zum Beispiel, dass schnelle, große Windhunde nicht auf eine Grasbahn gehören. Das Hubertusrennen 2013 zeigte ein anderes Bild. Natürlich beschleunigt der Puls, wenn im strömenden Regen Greyhounds und Magyar Agarak an den Start geführt werden. Aber während ich auf den letzten Regenrennen auf Sand immer wieder in der ersten Halbkurve Windhunde in Not sehen musste, zogen die Athleten beim WRV Kurpfalz sicher ihre Bahn. Ein einzelnes Rennen taugt sicher nicht als empirische Grundlage. Die aber die Beobachtung in Oberhausen zeigt, eine Grasnarbe gibt den Windhunden, die beim Rennen auch ihre Krallen einsetzen, mehr Halt als der nasse Sand. Und so gab es keine rutschenden Hunde am Ende der schnellen, ersten Gerade.

Wasser und Elektrizität gehören nicht zusammen. Und so war der große Regen eher eine Herausforderung für die Technik des WRV. Nicht der Hasenzug bekam Probleme mit dem Regen. Unser Sumner-System beschleunigt auch unter solchen Bedingungen schneller als jeder Whippet. Die feine Elektronik der Zeitnahme erwies sich als Achillessehne. Denn so modern auch die bildgestützte Zeitnahme in Oberhausen ist, dass Klappe-auf-Signal muss von den Startkästen ins Zielhaus. Irgendwo zwischen 350ziger und Zielkamera fand das Wasser seinen Weg. Gott sei Dank fiel die Zeitnahme am betroffenen Kasten gegen Ende der Veranstaltung aus. Bei den Finalläufen lässt sich ein Windhundrennen auch gut nach Einlauf werten.

Schön war auch mal wieder Besuch aus Ungarn zu haben. Judit Szanka brachte ihre „amerikanischen“ Whippets beim Hubertus-Rennen an den Start. In ihrem Gepäck waren auch noch zwei Magyar Agár Welpen aus dem J-Wurf. Die zwei Hündinnen wurden ihren deutschen Besitzern übergeben. Zusätzlich zu diesen Joungstern gab es einiges Maggie-Jungblut zu sehen. Dévaj Hajsza machte ihre ersten Lizenzläufe. Dévaj Fanfár lief ihr erstes Rennen und gleich in ihrem ersten Lauf ein Fünfer-Feld und strömender Regen. Hat sie aber sehr schön gemacht! Mit dabei, ihr Bruder Fickó. Von den Hui´s Morningstars Kennel waren Ápárd und Andor zu Besuch. Auf das Debüt der Magyar Agarak aus diesem Kennel sind wir alle sehr gespannt.

In der Pause saß ich zusammen mit Jutka beim Kaffee. Es dauerte nicht lange und es bildet sich eine kleine Schlange vor unserem Wohnmobil. Alle wollten zu Jutka. Sei es um den einen oder anderen Tipp zu bekommen, einen Hund vorzuführen, sich über kommende Würfe im Dévaj 1976 Kennel zu informieren oder einfach nur persönlich zu grüßen. Menschen aus halb Europa waren froh, dass Jutka den weiten Weg nach Oberhausen auf sich genommen hat. Und für jeden nahm sie sich Zeit, für jeden hatte sie ein gutes Wort. Vielleicht sollten die, die sich so gerne an der Person Judit Szanka reiben, darüber meditieren. Dass ihre Whippets mit einem ersten und einem zweiten Platz ordentlich abräumt haben, hat mich sehr gefreut.

So gab es am Abend eine Menge glückliche Gesichter. Bei den Menschen und bei den Windhunden sowieso. Denn das haben zwei- und vierbeinige Racer gemeinsam, die Rennbahn ist ein Platz zum Glücklichsein.

Und damit gebe ich an Jörg zurück, der uns das Hurbertusrennen aus magyaragar-sportlicher Sicht in Szene setzen wird. Nur soviel schon jetzt, seine Buben haben den Laden mal wieder gerockt.

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